Die Spieltheorie fuer Poker nutzen

Sie haben gewiss schon vom Begriff Spieltheorie gehoert. Die meisten Pokerspieler kennen ihn ebenso, nur wissen die wenigsten, was es damit auf sich hat.

Der legendäre Mathematiker John von Neumann hat zum ersten Mal den Begriff Spieltheorie geprägt. Manchmal wird sie auch Theorie der Spiele genannt. In diesen Theorien geht es vorwiegend um Entscheidungsprozesse. Und hier könnte der Pokerspieler schon hellhörig werden...

Die Spieltheorie untersucht zwar Entscheidungen innerhalb der Grenzen eines Spiels, vor allem werden diese Theorien für politische, sogar für militärische Belange verwendet. Aber egal, was "gespielt" wird, die Spieltheorie liefert immer interessante Perspektiven, auch beim mittlerweile beliebtesten Spiel der Welt, Online Poker.

Was muss der Pokerspieler über Spieltheorie wissen?
Kurz gesagt, untersucht die Spieltheorie die bestmögliche Entscheidung zu einem bestimmten Zeitpunkt, während der Gegner die besten Strategien anwendet.

Beispiel: Sollen Sie einen Bluff für $20 riskieren, um den $300 Pot zu gewinnen? Nun, wenn Sie immer bluffen, dann ist die beste gegnerische Strategie auch mit mittelmäßigen Händen mitzugehen. Wenn Sie niemals bluffen, sollte der Gegner niemals mit mittelmäßigen Karten den Bluff callen.

Um eine Strategie zu perfektionieren, sollten Sie also weder die ganze Zeit bluffen, noch total auf Bluffen verzichten. Sie müssen die Optionen des Gegners berücksichtigen. Zum Beispiel können Sie sich fragen: Wenn der Gegner eine schwache Hand hat, wird der Bluff gelingen? Was ist, wenn er erhöht - werden Sie weiterbluffen oder seine Erhöhung wieder erhöhen, oder werden Sie besser aussteigen? Mittels der Spieltheorie können Sie bestimmen, in welcher Häufigkeit Sie bluffen bzw. andere Poker-Aktionen oder Spielzüge anwenden.

Wichtig ist, dass die Gegner Sie nicht durchschauen. Also wenn Sie meinen, dass ein Bluff im Schnitt jedes 10. Mal angebracht ist und als Spielzug sinnvoll, dann dürfen Sie nicht so berechenbar werden, dass Sie genau jede 10. Hand bluffen. Sonst passiert Ihnen, dass ein Gegner Sie beobachtet und Ihre Absicht versteht. Ihre Entscheidungen müssen zufällig aussehen, aus Sicht der Gegner. Je mehr Sie sich wiederholende Spielmuster anwenden, desto mehr werden Sie zum offenen Buch für Ihre Gegenspieler.

Wie man das am besten macht, ist leicht erklärt: Jedes Mal, wenn sich eine Situation wiederholt, sollten Sie so agieren, als ob es keine Wiederholung der Situation gegeben hätte. Also wenn Sie eine identische Situation vorfinden, und in dieser schon geblufft haben, sollten Sie entscheiden, ob es sich in diesem Moment lohnt und den Spielzug nicht davon ableiten, dass Sie ihn ja schon beim letzten Mal in so einer Situation gespielt haben. Es kann vorkommen, dass Sie 50 Hände lang niemals bluffen, dann dreimal hintereinander. Das macht Sie unberechenbar, Ihre Absichten können nicht erkannt werden.

Das Wissen um spieltheoretische Aspekte beim Pokern führt zu einem Ziel des guten Pokerspielers: Die Spielaktion, die man macht, soll im Idealfall so sein, dass der Gegner sie nicht zu seinem Vorteil ausnutzen kann. Im Fall des Bluffens wäre es also perfekt, wenn der Gegner keinerlei Spielmuster erkennt, Sie nicht als passionierten Bluffer oder auch absoluten Nicht-Bluffer einschätzen kann. Dadurch zwingen Sie viele Gegner zu fehlerhaften Entscheidungen.

Es gibt immer Hände, die man spielen soll und Hände, die nicht spielbar sind. Aber viele Hände fallen weder in die eine, noch in die andere Kategorie. Sie sind mittendrin zwischen spielbar und unspielbar. Ob sie gespielt werden oder nicht bestimmt die ganz konkrete Spiel-Situation, gegen wen man sie spielt, wie die letzten Runden verlaufen sind, wie gut Sie drauf sind usw. Denn fixe Strategien scheitern zumeist, wenn man an Ihnen um jeden Preis festhält und sich sagt: in dieser Situation muss man immer dieses oder jenes tun. Für die Hands im Graubereich sind fixe Strategien nicht zielführend. Eine Strategie soll immer den aktuellen Spielmoment berücksichtigen.

Beispiel: Wenn Sie sagen, Sie spielen in früher Position niemals A-J, dann wenden Sie bereits eine fixe Strategie an, die Sie auch logisch begründen können. Aber halten Sie daran auch fest, wenn Sie merken, dass an Ihrem Tisch jeder Spieler mit A-9, A-7 oder A-4 ins Spiel geht?

Hier sehen wir den Hauptgrund, warum fixe Strategien und allgemeine Poker-Wahrheiten meistens nicht so funktionieren, wie sie sollten. Die allerbeste Strategie ist immer die, die sich auf die Gegner einstellt. Gute Pokerspieler ändern ihren Stil, wenn sie merken, dass an ihrem Tisch die eiskalten Profis spielen bzw. spielen wieder ganz anderes gegen Spieler, die sie als schwach einschätzen.

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